Jagdreiten

Eine der schönsten und natürlichsten Formen der Reiterei

Oft sieht man in erschrockene Gesichter wenn das Thema Jagdreiten angesprochen wird. Leider kursieren immer noch falsche Vorstellungen was die Jagd zu Pferde mit Meutehunden anbetrifft. Im Wesentlichen wird dabei die Schleppjagd mit der aus Frankreich stammenden Parforcejagd, der Hetzjagd auf lebende Tiere verwechselt. Diese Art der Jagd wurde in Deutschland bereits 1934 verboten.

Das Jagdreiten ist eine der schönsten und natürlichsten Formen der Reiterei. Beim Jagdreiten hinter Hunden geht es um ein harmonisches Miteinander mit Pferd und Hund, nicht nur um die sportliche Leistung der Reiter. Dreiklang aus Mensch und Tier und Umwelt präsentiert sich jedes Mal neu und immer wieder faszinierend für Reiter und Zuschauer gleichermaßen. Ohne Blutvergießen, wird eine echte Jagd so naturgetreu wie möglich nachempfunden. Die Hunde jagen auf einer imaginären Wildfährte („Scent“). Die Schleppe wurde früher gelegt mit Hilfe eines in Fuchslosung getränkten Schwammes oder einer mit einem Balg gefüllten Drahtkugel, die der Schleppenleger zu Pferd an einer Schnur hinter sich herzog. Heute hat der Schleppenleger einen Tropfkanister am Sattel festgeschnallt und legt so die Fahrten im Gelände. Je besser das gelingt, desto authentischer ist das Erlebnis. Die Reiter folgen den Hunden, um deren Sucharbeit mitzuerleben. Fuchslosung wird immer noch verwendet, aber manche Meuten ziehen Heringslake oder Anislosung vor. Einige Meuten jagen auch auf Trittsiegel eines bestimmten Pferdes („clean boot“).




Nach der Begrüßung am Stelldichein wird die Meute zum Anlegeplatz für die erste Schleppe geführt. Erst wenn die Hunde sicher auf der Fährte sind, folgen die Reiter. Eine Jagd ist kein Wettrennen. Der Vordermann wird nicht überholt. Die Jagdstrecke fuhrt je nach Jahreszeit über eine Entfernung von zehn bis zwanzig Kilometern, die aufgeteilt sind in verschiedene Schleppen. Schrittpausen dazwischen und Stopps dienen der Erholung der Meute und der Reiter und Pferde. Die Equipage aus Master/Huntsmann, Pikören und dem Schleppenleger, fuhrt und präsentiert die Hunde. Ihnen folgt der Jagdherr mit der Jagdgesellschaft. Je nach Teilnehmerzahl und Jagdstrecke wird in mehreren Felder, d.h. Gruppen geritten. Wer an einer Jagd teilnimmt muss sattelfest sein und selbstkritisch gegenuber den eigenen Fähigkeiten und denen seines Pferdes. Schon in der Einladung werden die Anforderungen erläutert (Boden wie gewachsen, d.h. ohne Sprünge, leicht, mittelschwer oder sportlich.) Wer nicht sicher ist, wird sich aus Vernunftgründen zunächst lieber eher zu niedrig einstufen und im „nichtspringenden Feld“ die Hindernisse umgehen. Einen guten Jagdreiter zeichnen Mut und Übersicht aus und das, was auch im normalen Leben für gutes Benehmen gehalten wird: Pünktlichkeit, Umsicht, Rücksichtnahme. Die Reiter folgen den Schleppen in dem Tempo, das die Hunde vorgeben und überwinden dabei auch die unterschiedlichsten festen Hindernisse. Für die Pferde ist das Galoppieren im Herdenverband die natürliche Bewegungsform. Bei richtiger Ausbildung und Vorbereitung kann fast jedes Pferd zu einem guten Jagdpferd werden. Rasse und Größe sind nicht entscheidend, aber Nervenstarke, Trittsicherheit, Sprungkraft und dazu gesunde Konstitution und ausreichende Kondition. Eine entsprechende Vorbereitung auf die Jagdsaison ist ein Muss für Pferd und Reiter gleichermaßen. Die Anforderungen einer Jagd dürfen nicht unterschatzt werden: Hohes Tempo über bis zu zwanzig Kilometer, unterschiedliche Sprunge, und je nach Boden und Wetterlage kommen noch erschwerende Belastungen auf das Pferd zu, auf die man sich nur in gleichmäßiger kontinuierlicher Arbeit ausreichend vorbereiten kann. Je besser ein Pferd an den Hilfen steht, desto sicherer ist es als Jagdpferd. Im Rahmen eines Vorbereitungslehrgangs oder von Arbeitsschleppen mit den Hunden lernt auch das Pferd, sich auf schnelle Galopps in der Gruppe einzustellen und dabei keinen übertriebenen Ehrgeiz zu entwickeln. Ein gutes Pferd ist die Lebensversicherung des Jagdreiters, heißt es. Die letzte Schleppe endet mit dem feierlichen „Halali!“ Dazu wird die Meute geschlossen an einen Platz geführt, wo die Zuschauer inzwischen eingetroffen sind und der Pansen zur „Curee“ (Anteil der Hunde am erlegten Wild) vorbereitet ist. Die Reiter sitzen ab, bilden mit ihren Pferden an der Hand zur symbolischen Fütterung einen Halbkreis um die Hunde. Danach nehmen sie den „Bruch“ aus Eiche oder Fichte entgegen. Vor dem Hubertustag (3.November) besteht er aus einem Eichenzweig, danach aus Fichte. Jedes, auch manches heute unverständlich oder überflüssig erscheinende Detail, lasst sich aus der Jahrhunderte wahrenden Geschichte der Jagd erklären. Der rote Rock ist nicht Angeberei oder Karnevals-Relikt, sondern diente dazu, die Jagdteilnehmer im Wald oder im Nebel besser sichtbar zu machen. Das aufwändig gebundene Plastron konnte früher im Bedarfsfall gleich als Bandage für Verletzungen bei Reiter oder Pferd genutzt werden. Die „Curee“, bei der die Hunde abschließend mit Rinderpansen belohnt werden, ist keine Fütterung, sondern symbolisiert den Anteil, den die Hunde bei der Jagd auf lebendes Wild bekamen. Den Hunden, die seit Ur-Zeiten im Rudelverband leben, zu deren Ur-Instinkt der Jagd- und Beutetrieb zahlt, erfahren als Meutehund eine Haltung die ihrer Natur sehr nahe kommt. Fünf Meutehundrassen sind im  Jagdgebrauchshundverband anerkannt. Fünfzehn der Mitgliedsmeuten fuhren Foxhounds, fünf reiten hinter Beagles. Eine Meute führt Harrier, drei folgen den (Anglo) Francais Tricolore. Hinter einer spurtreu jagenden Meute steht eine konsequente züchterische Auswahl, optimale Haltung und Fütterung und systematisches Training, damit die Hunde im sicheren Appell von Huntsman, Master und Equipage stehen und konditionell in der Lage sind, lange Strecken zu galoppieren. All das zeigt sich an einem Jagdtag. Aber gearbeitet werden muss daran mit Konsequenz und viel Zeit das ganze Jahr über. Wer sich mit einem Jagdhund beschäftigt oder auch nur mit seinem „ganz normalen“ vierbeinigen Hausgenossen, der wird ermessen können, dass das Engagement der Beteiligten weit über das Maß eines normalen „Hobby“ hinausgeht. Ein guter Meutehund ist gehorsam, und so gehorsam wie der einzelne Hund ist die ganze Meute. Angesichts heutiger Forderungen nach Leinenzwang und solcher Reizthemen wie der Kampfhundeverordnung hat die Betriebssicherheit einer Meute unbedingte Priorität. Wild- und Fremdhundesauberkeit sind oberste Anforderungen an einen Schleppjagdhund. Grundsätzlich ist das Credo der Jagdreiterei Rücksicht auf die Natur und Ausgleich der Interessen von Landwirten, Jägern, Spaziergängern, Radfahrern und Naturschutzbehörden. Wer die Faszination des Schleppjagdreitens mit seinem Pferd selbst erleben will oder als Nichtreiter als „Zuschauer“ teilnehmen möchte, erhält alle Informationen über www.drfv-jagdreiten.de. Dort sind auch alle aktiven Meuten in Ihrer Nähe aufgeführt.

Quelle: Deutsche Schleppjagd-Vereinigung (DSJV
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