Doping im Hundesport

medikamenteFehlen hier allgemeine Richtlinien?



Seit Ende letzten Jahres bemühe ich mich um die Gesundheit und artgerechte Haltung von Hunden. Mit dem Tierschutzprojekt „Wellness für Hunde – mit alternativen Heilmethoden schützen und starken“ habe ich in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Therapeuten sowie Tierheilpraktikern ein Bündel an einführenden Informationen, unter anderem auch über Nahrungsergänzungsmittel für Hunde, erstellt.

Nachdem nun das Projekt so gut wie abgeschlossen ist, konnte ich mir weiterführende Gedanken über die einzelnen Mittel machen. Nicht zuletzt aus aktuellem Anlass, kam ich auf ein natürliches Hustenmittel für Hunde, welches Arnica (bekannt aus den Skandalen im Pferdesport-Bereich)enthalt. Seit 1. Monaten nun hatte ich das Vorhaben nach Dopingrichtlinien für den Hundesport zu suchen. Nach und Nach habe ich alle erforderlichen Informationen erhalten, die mich stutzig machen und zu weiteren Recherchen anleiten. Gelten für neue Sportarten wie Agility, Discdogging und co. keine einheitlichen Regelungen für Kontrollen nach Substanzen welche die Leistungsfähigkeit und das Aussehen eines Hundes durch z.B. Entzündungshemmung , Schmerzstillung, Muskelaufbau oder Haut- und Fellveränderung verändern und erhöhen? Ich schrieb als erstes die NADA Nationale Anti Doping Agentur Deutschland an und bekam zwar nicht die Antwort, welche ich mir erhofft hatte, aber den Hinweis darauf, dass es einen Artikel von Royal Canin bezüglich Doping im Hundesport auf der Webseite gibt. Außerdem verwies man mich an den VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen). Als ich dort nachfragte, bekam ich den Verweis zum DHV (Deutscher Hundesport Verband) der mir eigentlich, denkt man über den Namen mal nach, eine zuverlässige Auskunft erteilen können musste.

Nun gut, ich bekam nach zweimaliger Anfrage von einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle des DHV die Antwort (26.9.2009), dass es nach seinem Kenntnisstand keine einheitlichen Kontrollen im Hundesport gibt. Ich recherchierte weiter und fand Regelungen für Schlittenhunde, die auch laut Webseite durchgesetzt werden und eine für den Schlittenhundesport einheitliche Regelung die mit der WADA World Anti Doping Agency durchgesetzt wird. Die WADA gibt regelmassig Listen mit Informationen zu Kontrollen und verbotenen Substanzen im humanen Bereich heraus (auf der Webseite downloadbar).

Der IFSS International Federation of Sleeddog Sports Inc arbeitet also demnach nach Doping-Richtlinien internationalen Standards. Diese sind auch auf der Webseite des IFSS erhältlich. Aber seit geraumer Zeit gibt es ja auch Hundesport außerhalb von Schlittenhundesport oder Hunderennen, welcher auch wettbewerbs- bzw. wettkampfmassig betrieben wird und nachweislich stark auf die Gelenke, Knochen, Sehnen und Bänder oder auf die Konzentrationsfähigkeit und somit auf die Nerven der Hunde geht. Darüberhinaus natürlich auch noch Ausstellungen die dazu dienen, das Hunde Bewertungen, aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes bekommen. Nur um Ihnen ein paar Beispiele für die „modernen Sportarten“ mit Hunden zu nennen: Agility, Dogdancing, Discdogging, Hundefrisbee, Dogging. Für diesen Sport, wenn er durch von Verbänden organisiert und mit Bewertungen belegt wird, gelten laut der Antwort des DHV vom 26.9.2009 keine einheitlichen Regelungen, d.h. es werden nicht die Kontrollen vor der Leistung durchgeführt, wie sie die WADA schon verfasst und der IFSS für Schlittenhunde veröffentlicht hat. Laut dieser Regelung fallen Wirkstoffe der folgenden Gruppen unter Doping:

Analgetika, entzündungshemmende Substanzen (Steroide oder Nichtsteroide), Antiprostaglandine, Stimulanzien des Zentralnervensystems, Antitussiva, Sedativ und Anasthetika, Diuretika, Anabolika, Myorelaxanzien, Anticholinergika, Antihistaminika, Blutdoping.

Es ist mir nicht daran gelegen eine Hysterie ähnlich der im Pferdesport-Bereich loszutreten. Aus finanziellen Gründen ist es wohl kaum möglich vor jeder kleineren Ausstellung eine Fellprobe zu machen oder vor jedem kleinen Wettkampf eine Blutprobe zu nehmen und auszuwerten. Aber es ist so, dass vielen Hundehaltern gar nicht klar ist, dass sie ihren Hund im Alltag dopen.

Z.B. fallen L-Carnitin Produkte namhafter Futterhersteller laut der Medikamentensuche der NADA Austria unter Doping. Diverse Hundefutter weisen unter anderem einen hohem Anteil L-Carnitin aus. Ingwer ist ebenfalls in vielen Hundefuttern enthalten. Auch wenn Ingwer als Doping eventuell umstritten ist, so ist es nicht eindeutig klar, dass die schmerzstillende Wirkung der Wurzel Hunde nicht auch zu höheren Leistungen trotz Beschwerden treibt. Aber nicht nur in Hundefutter, das täglich den Hunden gefuttert wird, sind Bestandteile, die normalerweise nur bei Bedarf, also im Krankheitsfall gefuttert werden sollten. Auch in Nahrungsergänzungen die es einzeln oder als Komplexe zu kaufen gibt, sind eben wegen ihrer Wirkungsweise diese beispielhaft genannten Substanzen enthalten. Beispielsweise fallt Teufelskralle auch unter Doping, diese wird sehr gerne bei Hunden mit Arthrose eingesetzt, kann aber auch wissentlich oder unwissentlich eingesetzt eine nicht natürliche Leistungssteigerung des Hundes hervorrufen. Quelle: Optimization of Solid Phase Extraction for the Liquid Chromatography Mass Spectrometry Analysis of Harpagoside, 8-para-Coumaroyl Harpagide, and Harpagide in Equine Plasma and Urine.

Colas C, Garcia P, Popot MA, Bonnaire Y, Bouchonnet S. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18366880 . Die neuseeländische Grünlippmuschel wird auch gerne bei Gelenk- und Knochenbeschwerden eingesetzt. Auch hier liegt eigentlich der Tatbestand des Dopings vor, sollte es die Leistungsfähigkeit des Hundes auf ein unnatürliches Niveau steigern. Da aber die eigentlich existierenden, einheitlichen Regelungen nicht von Allen umgesetzt werden, ist es schwer zu sagen, ob Hunde die Grünlipp gefuttert bekommen wegen Dopings von einem Wettbewerb ausgeschlossen wurden. Nicht zuletzt durch meinen Besuch in einem großen Tierbedarfsmarkt an den Regalen für Nahrungsergänzungen für Pferde kamen mir Zweifel, da auf den dort angebotenen Packungen dieser Substanzen gros darauf hingewiesen wird: Vorsicht, dieses Mittel fallt unter Doping! Das solche natürlichen Mittel bei Hunden mit Beschwerden eingesetzt werden, ist in meinen Augen ein Muss. Es kann den Leidenszustand eines Hundes verbessern und seine Lebensqualität steigern. Allerdings haben solche Hunde nichts auf Ausstellungen oder Wettkämpfen zu suchen!

Quintessenz:

Es ist ein großer Vorteil, wenn Hundehalter ihren Hunden wenn sie krank sind oder ein gesundheitliches Problem haben, mit alternativen Mitteln helfen können. Allerdings sollte der Missbrauch, der dazu dient Hunde zu Leistungen anzutreiben, die sie durch ihre natürlichen Voraussetzungen nicht erreichen wurden, nach offiziellen Richtlinien kontrolliert werden. Gerade in modernen Sportarten, welche die Gelenke sehr belasten und Hunde auch „nervig“ machen können, sollte darauf geachtet werden, dass nur nachweislich gesunde Hunde ohne leistungssteigernde Substanzen in Blut und Urin an Wettkämpfen teilnehmen. Genauso sollte es möglich sein Hunde auf Ausstellungen dahingehend einheitlich zu kontrollieren, ob z.B. ihr Fell gefärbt oder ihre Figur natürlich ist. Darüberhinaus sollten diese natürlichen Wirkstoffe nur eingesetzt werden, wenn der Bedarf auch besteht. Im Zweifel nur in Rucksprache mit einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Es ist nicht von Noten selbst Hand an zu legen, wenn man meint, dass der Hund „irgendwie“ müde und abgeschlagen erscheint und deswegen zu einem Hundefutter greift, das genannte oder ähnliche Substanzen ausweist. Eine dauerhafte Gabe bei gesunden Hunden hat genauso viele Nachteile wie Vorteile. Und wenn kein Bedarf besteht, kann ich nur dazu raten die Finger von Hundefutter mit Zusätzen wie die oben beschriebenen oder auch einfach nur ausgewiesenen „Krauter-Mix“ zu lassen. Sie wissen nicht, was da drin ist und auch Pflanzen haben, wie sie den Doping-Listen der WADA entnehmen können, Wirkungen auf den Organismus. Und noch einmal wiederholt: Ich bin der Meinung, dass Hunde mit Beschwerden oder Hunde welche die Anforderungen von offiziellen Wettkämpfen oder Ausstellungen nicht erfüllen können, auch nicht dorthin gehören! Dafür bedarf es aber genau dieser offiziellen Richtlinien der Veranstalter. Schlussendlich liegt es am jeweiligen Hundehalter, ob er seinen Hund mit Beschwerden anmeldet und teilnehmen lässt. Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel spiegelt meine eigene Erfahrung und meine Meinung aufgrund der angegebenen Produkte, Quellen und Verweise sowie der Kommunikation mit den Verbanden wieder. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich mochte lediglich auf ein Problem hinweisen, welches auf eine einheitliche Regelung und realitätsnahe Überwachung wartet. Ich habe die Informationen nach bestem Wissen und Gewissen und meinem aktuellen Kenntnisstand zusammengetragen und bin für aktuelle Hinweise oder Informationen, z.B. von Verbanden, die selbstständig Kontrollen durchfuhren, sehr dankbar!

© Juliane Walther